„Heute gebe ich spontan Musiknachhilfe“, ruft Klaus Reinhard amüsiert und wedelt mit Kopien aus dem Musik-Brockhaus. Er ist Nachhilfelehrer am Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) Hoffenheim. Unverhofft kommt oft – deswegen schaut „Anpfiff ins Leben“ bei ihm und seinem Kollegen Benjamin Scherer, der sich in der Hausaufgabenhilfe am Jugendförderzentrum Zuzenhausen engagiert, hinter die Kulissen und beleuchtet die alltägliche Arbeit der Nachhilfelehrer.
Zu „Anpfiff ins Leben“ gekommen sind beide über persönliche Kontakte. Bei Klaus Reinhard war es sein Physiotherapeut, der in die Dienste der TSG 1899 Hoffenheim getreten ist und ihm erzählt hat „Die suchen da Lehrer für die Jungs!“ Genau das Richtige für den pensionierte Gymnasiallehrer, der „nicht herumsitzen, sondern etwas zu tun haben will“. In den Fächern Französisch und Latein hilft er seit September 2010 so manchem Fußballtalent schulisch auf die Sprünge.
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Benjamin Scherer ist über Guido Streichsbier, Trainer beim FC-Astoria Walldorf, und Simone Born, Mitarbeiterin bei „Anpfiff ins Leben“, auf das ganzheitliche Jugendförderkonzept gestoßen. Für den jungen Referendar eine willkommene Gelegenheit, in der Hausaufgabenbetreuung praktische Erfahrung für seine Lehrtätigkeit zu sammeln – seit 2007 gehört er am Jugendförderzentrum Zuzenhausen zum Team. Von dem Zusammenspiel der TSG 1899 Hoffenheim und Anpfiff ins Leben e.V. – letzterer verantwortet durchgängig die schulische Betreuung an den drei achtzehn99 AKADEMIEN – war Benjamin Scherer so fasziniert, dass er sogar seine Examensarbeit darüber geschrieben hat. „Am Konzept von ,Anpfiff‘ gefällt mir die schulische Betreuung am besten. Die Schüler haben neben dem Sport die Gelegenheit, nachmittags ihre Hausaufgaben zu machen und sich in der Schule zu verbessern. Andere Fußballer gehen nach der Schule gleich in den Verein, haben Individual- und Mannschaftstraining, Physiotherapie und Gespräche mit dem Trainer. Gegen 21.30 Uhr sind sie wieder zu Hause – da hätte ich auch keine Lust mehr auf Hausaufgaben. Das ist in Zuzenhausen und Hoffenheim wirklich besser geregelt“, sagt Benjamin Scherer.
Einen weiteren Aspekt sieht Klaus Reinhard: „Mit der schulischen Betreuung haben die Jungs ein zweites Standbein, denn nicht alle können Profis werden.“ Was dem Pensionär am NLZ besonders positiv auffällt, ist das Verhalten der jungen Fußballer. Kameradschaft, Bescheidenheit und Höflichkeit sind Dinge, die dort gelebt werden. „Hier gibt man zur Begrüßung und zum Abschied die Hand. Manchmal fragen meine Nachhilfeschüler mich, ob sie mir ein Glas Wasser holen sollen“, beschreibt der Pensionär einige kleine Gesten. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus. Klaus Reinhard geht behutsam mit den Fußballern um, hat immer im Hinterkopf, dass für viele von ihnen das Internat und die Sportkollegen eine Art Familienersatz sind. So bietet Reinhard ein offenes Ohr, für schulische und nicht schulische Angelegenheiten. Wenn Klausuren anstehen und „alle auf einmal zu mir kommen, bleibe ich auch mal länger“, sagt er.
Belohnung dafür sind die kleinen und großen Erfolgserlebnisse – das hat auch Benjamin Scherer schon erlebt: „Als Timo Helfrich zu uns kam, war er in der Schule wirklich miserabel. Im Fußball aber super gut. Innerhalb eines Jahres hat er sich schulisch enorm verbessert.“ Vor den Abschlussprüfungen hat Scherer einen Crashkurs mit dem jungen Fußballtalent gemacht und jeden Tag mit ihm Mathe gepaukt. „Timo war sehr dankbar für unsere Unterstützung und wir vom Lehrerteam waren heilfroh, als er seinen Abschluss in der Tasche hatte“, erinnert sich der Referendar. Er freut sich, dass es inzwischen acht „Anpfiff ins Leben“-Jugendförderzentren in der Region gibt. „Die Zentren machen das Konzept bekannter und ziehen immer mehr Personen an – das finde ich klasse“, meint Benjamin Scherer. Für 2012 hat er sich vorgenommen, „seine“ Jungs im Fach Mathematik voranzubringen, so dass sie gute Zeugnisnoten bekommen.
Klaus Reinhard hingegen hat sich für dieses Jahr nichts Spezielles vorgenommen – „hier verläuft jeder Tag anders“, sagt er und streicht mit einem Lächeln über das musikalische Lexikon.
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