„Ich habe Gott gedankt und danach gleich Corinna Bescheid gegeben!“ Der junge Ludwigshafener Muhammed-Ali freut sich auf seine Zukunft bei der BASF: „Am meisten freue ich mich auf die Arbeit selbst und dass mir etwas beigebracht wird.“

Muhammed-Ali Kartal

Die Zeit ist knapp, die Chance einmalig. Das weiß Muhammed-Ali Kartal. Dass die Konkurrenz gut ist, weiß er auch. Erst am letzten Tag hat er von der Möglichkeit erfahren und nun wäre es fast zu spät gewesen. Er will es probieren. Mit seinem Cousin fährt er nach Nürnberg, denn 240 km sind für keinen Traum zu weit. Muhammed ist auf dem Weg zum Probetraining von Fenerbahçe Istanbul. Der türkische Fußballverein lädt zu einem dreitägigen Probetraining in Deutschland. Eine attraktive Chance für einen jungen Fußballspieler: Fenerbahçe ist einer der erfolgreichsten Clubs der türkischen Süper Lig – und noch dazu der Lieblingsverein von Muhammed. Fußball ist für ihn schon immer ein Kindheitstraum gewesen: „Schon von klein auf wollte ich immer spielen. Ich wollte mein Hobby zum Beruf machen.“ Seit 2016 lebt er nun seine Passion bei den Junioren des Ludwigshafener Sport Club.

Das Angebot und die Entscheidung

Nach dem Probetraining wird er von einem Trainer in die Türkei eingeladen. Vor allem wegen seiner Familie bleibt er aber in Ludwigshafen: „Ein Trainer kam zu mir und hat gemeint: ‚Komm in die Türkei. Da hast du bessere Chancen‘. Ob sie mich wirklich genommen hätten weiß ich nicht. Deswegen wollte mich mein Vater auch nicht alleine gehen lassen.“ Familienmensch Muhammed unternimmt viel mit seiner Familie. Sie ist ein wichtiger Pfeiler in seinem Leben. Und umgekehrt.

Er spielt weiterhin Fußball in Ludwigshafen. Hier spielt er in der Abwehr. Nach nur zwei Spielen in der neuen Saison fällt Muhammed aber wegen einer Verletzung aus. An Fußball ist in den folgenden Wochen nicht mehr zu denken. Sein Versuch, sich an die Verletzung zu erinnern, offenbart ihren Stellenwert: „Ich wurde mehrmals verletzt. Ich hatte auch meinen Zeh gebrochen. Ich weiß nicht, ob es das war. Ich habe mich oft verletzt. Ich kann mich gar nicht daran erinnern,“ sagt er und lacht die Verletzung weg.

Erstes Praktikum und Bewerbungen

Nach dem Aus durch die Verletzung widmet er sich ganz der Schule und den Bewerbungsvorbereitungen. Hierbei hilft ihm Corinna Glogger, Koordinatorin für Schule, Beruf und Soziales bei „Anpfiff ins Leben“. Sie und Muhammed erarbeiten zusammen Perspektiven und schreiben Bewerbungen. Muhammed geht mit Fleiß und Akribie an die Sache und kann sich ein Praktikum bei Caterpillar ergattern. Die Koordinatorin aus Ludwigshafen hat schon Muhammeds Schwestern bei ihrer Berufsorientierung unterstützt: „Für mich war das dann auch ganz schön, dass sich hier der Kreis irgendwie schließt und man auf diese Weise eine ganze Familie unterstützen kann.“

Nach der Absage von John Deere setzt er alles auf BASF: Mit Erfolg. Er besteht den Onlinetest und wird zum Auswahlverfahren vor Ort eingeladen. Viel Zeit zur Vorbereitung bleibt nicht: Der Chemiekonzern lädt kurzfristig ein. Muhammed und Corinna Glogger haben eine Woche. Für ihn holt sie dabei Menschen an Bord, die den Fußballer optimal vorbereiten. Anja Linsenmaier schult den Fußballer in Rhetorik, Kendra Little bereitet ihn auf den mathematischen Teil der Eignungstest vor. Der Fußball rückt für ihn zunehmend in die Ferne. Während er sich auf seine Bewerbung konzentriert, holt seine Mannschaft einen Sieg nach dem anderen und wird Meister in der Verbandsliga. Er kann sich aber nicht vorstellen, sich vom Sport zu lösen: „Fußball war immer mein Kindheitstraum und es ist schwer, damit abzuschließen.“

Das Auswahlverfahren: Das Üben zahlt sich aus

Am Tag des Auswahlverfahrens ist er nicht allein: „Ich habe mich mit einem Freund getroffen, der auch da war. Eine Frau hat uns abgeholt und wir sind in einen Raum gegangen, um diesen Test zu machen.“ Der Auswahltest ging fast vier Stunden. Mit etwa 40 anderen Bewerbern ackert er sich durch die Aufgaben: „Es kamen Mathe, technisches Verständnis und Deutsch dran, viel Kopfrechnen. Wir haben ein Blatt bekommen, das wir zum Rechnen benutzen durften, danach haben sie es weggenommen und wir mussten im Kopf rechnen.“ Zu seiner Erleichterung hat er das meiste schon mit Kendra Little geübt: „Es gab keine schwierigen Fragen. Kendra Little hat mir sehr, sehr geholfen. Ohne sie und die anderen hätte ich es nicht geschafft.“ Muhammed besteht auch diesen Test ohne Probleme.

Anpfiff ins Leben Koordinatorin Corinna Gloggar bereitete Muhammed-Ali auf sein Bewerbungsgespräch vor.
Von Corinna Glogger perfekt auf sein Bewerbungsgespräch vorbereitet: Muhammed-Ali Kartal.

Die Überraschung steckt im Detail

Als er sich einen Tag vor dem finalen Vorstellungsgespräch die Einladung noch einmal durchließt, kommt der Schock: Die BASF lädt Muhammed nicht zu einem Vorstellungsgespräch als Industrie-, sondern als Anlagenmechaniker ein. Auf dem Fragebogen des Unternehmens hat Muhammend den Beruf des Anlagemechanikers als Alternative angekreuzt. Wie beim Probetraining für Fenerbahçe und der Vorbereitung für das Auswahlverfahren bleibt ihm wenig Zeit. Er informiert sich ausgiebig auf der Seite von BASF und anderen, was die Unterschiede sind und was einen Anlagemechaniker ausmacht.

Im „Anpfiff-ins-Leben“-Jugendförderzentrum in Ludwigshafen wartet das Team um Corinna Glogger gespannt darauf, was Muhammed-Ali vom Bewerbungsgespräch berichtet: „Am Ende haben wir alle mitgefiebert und wollten wissen, wie es dann ausgegangen ist.“ Erleichtert meldet er zurück, dass er sehr gut angekommen ist und am 3. September als Anlagemechaniker seine Ausbildung beginnen kann. Ein ganzer Fels fällt von Muhammeds Herzen: „Ich habe Gott gedankt und danach gleich Corinna Bescheid gegeben.“ Der junge Ludwigshafener blickt zuversichtlich seiner Zukunft entgegen: „Ich freue mich, dass ich im September bei BASF anfangen kann. Auch weil es ein sehr großes Unternehmen ist. Am meisten freue ich mich auf die Arbeit selbst und dass mir etwas beigebracht wird.“

Der Ausbildungsplatz ist für Muhammed-Ali genauso ein Gewinn, wie seine Gewitztheit für das Unternehmen. Die Trainings und Vorbereitungen im Ludwigshafener Jugendförderzentrum von „Anpfiff ins Leben“ haben ihm die Steilvorlage gegeben. Die Verwandlung zum Traumtor liegt nun bei ihm. Jetzt vielleicht auch mit mehr Zeit.

von Philipp Metzler