„Schon seit ich klein bin, habe ich von meiner Familie Wille und Biss gelehrt bekommen. Diese Eigenschaften waren immer wichtig und sie haben mir sehr geholfen“.

Mit Biss zum Schulabschluss - eine Ludwigshafener „Erfolgsstory“

Am Ende eines kurzweiligen Gesprächs ergreift Simon Oliveri noch einmal das Wort, um etwas, das ihm besonders am Herzen liegt, loszuwerden: „Schon seit ich klein bin, habe ich von meiner Familie Wille und Biss gelehrt bekommen. Diese Eigenschaften waren immer wichtig und sie haben mir sehr geholfen“. So motiviert und entschlossen, aber auch dankbar, wie Simon bisher seinen Weg gegangen ist, ist es nur konsequent, dass er im Jugendförderzentrum Ludwigshafen als „Erfolgsstory“ gilt. Obwohl schon viel erreicht wurde, der Werdegang des 16-Jährigen am „Anpfiff ins Leben“-Standort Ludwigshafen ist noch nicht am Ende. Überall verfolgt Simon noch immer ehrgeizige Ziele.

Als eine Art Dauerbrenner im Jugendförderzentrum kann man Simon Oliveri im vergangenen Jahr bezeichnen. Zuverlässig und fleißig nahm der gebürtige Mannheimer mit italienischen Wurzeln an Förderangeboten des „Anpfiff ins Leben“-Standorts Ludwigshafen teil, und das parallel zur schulischen Ausbildung, zu beruflichen Orientierung und zum geliebten Fußball. Seit Oliveri 2017 zum Ludwigshafener SC (LSC) stieß, nahm er etliche Angebote wahr, vor allem aus den Bereichen Schule und Beruf. So gut wie kein Beratungstreffen sei in dieser Zeit ausgefallen, lobt die Ludwigshafener Koordinatorin Corinna Glogger. Trotz des Wunsches, seine Leidenschaft Fußball besonders voranzutreiben, wurde der Schwerpunkt auf Schulabschluss und Ausbildungsplatz gelegt. „In der 10. Klasse lagen die Prioritäten eben ganz klar auf Schule und Ausbildungssuche“ begründet Glogger Simons reduzierte Trainingsteilnahmen. Zwischenzeitlich nahm Oliveri an mehreren „Anpfiff“-Angeboten teil, darunter neben der Nachhilfe auch Prüfungsvorbereitung, Bewerbungstraining oder Berufe-Scouting.

Simon Oliveri beim Berufe Scouting
Mit Fleiß dabei: Simon und sein Deutsch-Nachhilfelehrer Nils

 

„Das war oft stressig, gerade in der Prüfungsphase habe ich viel Druck gespürt“, so Oliveri. Die Mühen haben sich letztendlich ausgezahlt, denn seit Sommer dieses Jahres hat Simon einen „wirklich guten“ Realschulabschluss in der Tasche. Hier strahlt nicht nur Simon, auch Glogger spricht mit Anerkennung über ihren Schützling: „Simon hat bewiesen, dass er die Ernsthaftigkeit der Themen Schule und Berufsfindung verstanden hat und das nötige Durchhaltevermögen an den Tag legen kann“. Letzteres musste er durchaus mal aufbringen, für Prüfungen lernen oder sich für einen Ausbildungsplatz bewerben, läuft nicht immer ohne Rückschläge ab. Doch auch hier zeigte sich Simon resistent, trotz einiger Absagen. Im Zusammenhang der Prüfungsvorbereitung für seinen Abschluss spricht der Schützling selbst von dem einen oder anderen „Kampf“. Zur Belohnung erhielt er diesen Sommer aber seinen anvisierten Realschulabschluss und hier wird noch nicht Schluss sein, denn aktuell besucht Simon ein Berufskolleg. Ziel hier lautet: Fachhochschulreife 2020.

Eine bemerkenswerte Entwicklung

Bei aller Freude über die durchweg positive Entwicklung des Teenagers, bleibt auch Platz für ehrliche Analysen. „Als Simon 2017 mit dem Zeugnis der 9. Klasse zum ersten Mal zu mir kam, war ich alles andere als euphorisch“, erinnert sich Glogger an die erste Begegnung. Die Noten waren wenig berauschend und so war auch die Perspektive auf einen konkreten Ausbildungsplatz kaum gegeben. Mit der nötigen Selbstkritik gesteht Oliveri, dass „gerade die Hauptfächer Mathematik, Deutsch und Englisch“ verbesserungswürdig waren und er daher froh war, Nachhilfeangebote von „Anpfiff ins Leben“ wahrnehmen zu können. Aus organisatorischen Gründen – in Rheinland-Pfalz gibt es keine Realschulabschlussprüfungen - fanden die Prüfungsvorbereitungskurse statt am Standort Ludwigshafen im „Anpfiff“-Jugendförderzentrum Mannheim statt. Mit dem dort ansässigen Koordinator für Schule/Beruf/Soziales stehen die Ludwigshafener zum Wohle der eigenen Jugendspieler immer eng im Kontakt.

In seinen „Problemfächern“ Mathe und Deutsch erzielte Simon – aus seiner Sicht – „gute Fortschritte“.  Mithilfe engagierter Nachhilfelehrer und nicht zuletzt seiner eigenen Motivation schaffte der 16-Jährige die gewünschte Note in Deutsch. Noch heute erzählt er sichtlich stolz, dass er im Fach Deutsch „noch nie zuvor eine 3 hatte“. In Mathematik und Englisch erreichte Simon ebenso das ausgerufene Ziel.

Doch nicht nur das Zeugnis ist für die schulische Entwicklung von Bedeutung, auch menschlich sollen sich die Jugendlichen richtig aufgehoben fühlen. Auf die Frage, wie ihm die „Anpfiff“-Betreuung gefallen hat, antwortet der 16-Jährige mit einem Lächeln: „Sehr gut, da die Lehrer geduldig sind, gut erklären können und die Lernatmosphäre chillig war“. Das Kapitel Realschulabschluss wurde im Sommer also erfolgreich beendet. Neue Aufgaben für die berufliche Zukunft warten schon.

Vorherige Praxiserfahrungen und das von „Anpfiff“ organisierte Berufsorientierungscamp (BO-Camp) konnten mögliche Wege ins Berufsleben aufzeigen. Simon habe dadurch konkretere Berufswünsche entwickeln und diese durch Praktika greifbarer machen können. „Dank des BO-Camps habe ich herausgefunden, dass ich ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen habe“. Simon führt weiter aus: „Daher habe ich bereits über Berufe wie Bauzeichner oder Mechatroniker nachgedacht“. Obwohl Simon noch voraussichtlich bis Sommer 2020 die Max-Hachenburg-Schule besuchen wird, ist die Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz nicht ad acta gelegt: „Wir sehen das Hauptaugenmerk darin, Simon einen passenden Ausbildungsplatz zu organisieren“. Dafür wird sicher noch der eine oder andere Beratungstermin im Jugendförderzentrum an der Ludwigshafener Abteistraße anstehen.

Simon und Corinna zeigen stolz den Fanschal des Ludwighshafener SC
Simon und Corinna zeigen stolz den Fanschal des Ludwighshafener SC

 

Dankbar für die Vergangenheit - zielstrebig in der Zukunft

Eines ist sicher, Simon hat das Privileg als Jugendspieler des LSC auch Teil der ganzheitlichen „Anpfiff“-Förderung zu sein, stets zu schätzen gewusst. Schon zu Beginn seiner Zeit beim LSC fiel ihm auf, dass dieser Standort etwas Besonderes sein muss. Simon denkt an seine Ankunft im Sommer 2017: „Damals wusste ich gar nichts über ‚Anpfiff ins Leben‘, das änderte sich aber schnell“. Die Möglichkeiten hier seien erheblich besser, als er es von anderen Vereinen kenne.

Schon die Tatsache, dass er in den „Anpfiff“-Räumen ein „Fitnessstudio“ vorfindet, überzeugte ihn. In seinem alten Verein gäbe es eben nicht die infrastrukturellen Möglichkeiten, auf die schulischen, beruflichen und sportlichen Bedürfnisse eines Heranwachsenden in einem solchen Maße einzugehen. Für das ihm hier Gebotene zeigt sich der 16-Jährige ausgesprochen dankbar.Die enge Vernetzung zwischen Sport und Schule/Beruf/Soziales ist für Simon bislang ein weiterer Vorteil gewesen. „Wenn du ein Problem hast, ‚Anpfiff‘ regelt das mit dir zusammen“, fasst Simon humorvoll den Wert der 360°-Förderung zusammen. Ohne den Willen, den Einsatz und die Zusammenarbeit zwischen den beiden Seiten sei eine solche Erfolgsgeschichte wie jene von Simon nicht möglich, das betont auch die Koordinatorin: „Nur, wenn sich jeder einzelne entsprechend einbringt, können wir solche Erfolge erzielen“, stellt Corinna Glogger klar.

Die „Anpfiff“-Philosophie konzentriert sich bekanntlich nicht nur auf die kurzfristige Förderung der Kinder und Jugendlichen, viel mehr verfolgt „Anpfiff“ eine nachhaltige Förderung. Das wird auch im Falle Simon Oliveri deutlich, denn mit dem Realschulabschluss ist die Basis seiner beruflichen Zukunft gelegt, auf der die Fachhochschulreife oder eine Berufsausbildung aufbauen soll. Wo genau der Weg hinführen wird, werden die nächsten Monate zeigen.Als ob es nochmals einen Beweis für Simons Zielstrebigkeit in Sachen Schule gebraucht hätte, steht noch am Nachmittag des Interviews Nachhilfelehrer Nils vor der Tür. Nach einem langen Tag sammelt der junge Fußballer nochmal all seine Energie für das Fach Deutsch. Immerhin wissen wir nun, dass er sogar zur Feierabendzeit die Motivation mitbringt, sich schulisch zu verbessern. Genau das zeichnet den Jugendfußballer aus, der völlig zu Recht zum Gesicht dieser „Anpfiff“-Erfolgsstory geworden ist.

Martin Dudenhöffer